Metall macht Musik, Teil 11
von Tim Eckhorst


Da kommt was ganz Großes: The Darkness

Was für mich erst wie der Name einer neuen Gothic Metal-Band klang, entpuppte sich als etwas völlig anderes. Stephan vom Comicwerk hatte mich ja schon vor Monaten auf diese Band hingewiesen, doch ich, der zu oft so lange wartet bis alles nach Deutschland kommt, erfahre erst jetzt so langsam etwas über The Darkness.

Da die Band aus England kommt, darf man es den Briten also nicht übel nehmen, dass sie uns etwas voraus sind, denn dort war das Debüt Album „Permission to Land“ bereits 4 Wochen auf Platz 1 der Charts. Weitere 12 Wochen befand sich der The Darkness’sche Erstling in den Top 10 (über 800.000 verkaufte CDs allein in England). Für diese Glanzleistung gab's dann auch Doppelplatin in Groß-Britannien.

Pop-Sänger Robbie Williams ging auf eigenen Wunsch mit der Band auf Tour, was nun den Anschein erwecken könnte, dass es sich bei The Darkness tatsächlich um Charthüpfer á la „Deutschland sucht den Superstar“-Fichten handeln könnte. Dem ist aber nicht so, denn Auszeichnungen gab’s auch von den britischen Metal-Magazinen Metal Hammer und Kerrang.

Also dann: Auf zur Ursachensuche! The Darkness haben ein extrem kultiges Auftreten. Bei ihrer Art sich zu kleiden, kommt es ihnen zu gute, dass die 80er eh gerade in sind. Da wird man schnell mal an die so genannten Poser- oder Hair Metal-Bands, sowie Glam- und Sleaze-Rocker, wie Lizzy Borden, Twisted Sister, Mötley Crüe, Cinderella und Poison erinnert, wobei hier eigentlich eher gilt, dass besagte Bands im Bereich der Mainstream-Musik eher out sind.... egal, 80er sind in!

Aber nicht nur zu den oben genannten Bands gibt’s Parallelen. Da wären zum Beispiel auch noch Van Halen, dessen „Jump“-Cover als Anleihe für eine Werbeanzeige der Band herhalten musste. Vielleicht funktionieren auch nur „Familienunternehmen“ in der Musik-Branche richtig gut, denn Justin (Gesang, Gitarre und Synthesizer) und Dan Hawkins (Gitarre) sind Brüder und so was ist ja nicht zum ersten Mal in einer erfolgreichen Band zu sehen (siehe u.a. AC/DC, Praying Mantis, The Black Crowes, Jet, Van Halen etc.)

Um mit diesen Spekulationen über die Ursache des Erfolges fertig zu werden, werde ich einfach zu einem weiteren Aspekt übergehen - der Musik. Denn diese sollte doch eigentlich der Hauptgrund für den Erfolg der Band sein. Musikalisch bewegen sich The Darkness natürlich im Bereich der 80er. Da hätten wir beispielsweise den Song „Get your Hands off my Woman“. In diesem findet man Anleihen bei vielen Bands. Mir persönlich fallen da AC/DC und U2 ein, was ja schon eine merkwürdige Mischung ist. Wie bei allen Stücken ist der Gesang überhaupt gar nicht einzuordnen. Justine Hawkins reißt seine Stimme über 4 Oktaven und klingt dabei wie ein zwitschernder Vogel. Dies ist der eigentliche, verwirrende Teil an der Musik, denn diese erweckt schnell den Anschein, als solle das Ganze einfach komplette Verarsche sein, wobei man sich dann doch nicht ganz sicher wird. Will der gute Mann nur zeigen, was seine Stimme so alles kann oder nimmt er das ganze Genre einfach nur ein bisschen auf den Arm? Tja, man weiß es nicht, aber wenn man sich erst mal dran gewöhnt hat, macht die Musik sehr viel Spaß, allen voran „I believe in a Thing called Love“.

Bei den ganzen 80er-Anleihen, ist die Meldung, dass Queen-Gitarrist Brian May auch auf The Darkness steht nicht weiter verwunderlich, denn Verwandtschaft zu Riffs des Brian gibt es allemal. Die Zukunft für The Darkness sieht auf jeden Fall rosig aus. Nach den Touren mit Meat Loaf und The Rolling Stones, geht es 2004 auf Headliner-Tour, wobei man auch Deutschland nicht auslässt. Wie einst Manowar durch ihren Auftritt bei TV total Kultsstatus erreichten, werden auch The Darkness im Februar 2004 bei Stefan Raab zu Gast sein und nach meinen Prognosen dadurch selbigen Status erreichen. Oder wie die englische Presse schreibt: „Glory will be theirs!“