Metall macht Musik, Teil 41
von Tim Eckhorst


Black Metal ist kein Krieg

Wenn auch in eine etwas andere Richtung gehend, muss ich nun offenbar Nargaroths 2001er Albumtitel "Black Metal ist Krieg" ein wenig auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen. Wie der Kolumnist dazu kommt? Es liegt an der Regisseurin Sung-Hyung Cho, die gerade für ihren so genannten Heimatfilm "Full Metal Village", einer Dokumentation über das Dorf Wacken, in dem jährlich das gut besuchte (2007: etwa 65.000 Gäste) Wacken Open Air stattfindet, den Max-Ophüls-Preis erhalten hat.

Nun hat sich die seit 17 Jahren in Hessen lebende Südkoreanerin aber viel eher mit dem Dorf, als mit dem jährlichen Großereignis "WOA" beschäftigt und gerade dies mag das Interessante sein, denn im Interview mit dem NDR spricht sie im Zusammenhang mit Wacken von einer "Utopie", was im Prinzip mehr als nahe liegend ist. Mit den Problemen sich als Ausländerin an die Gegebenheiten und vor allem die Mitmenschen zu gewöhnen ist Sung-Hyung Cho bestens vertraut. So schien die Regisseurin offenbar sehr überrascht, mit welcher Offenheit man ihr in Wacken begegnete.

In Wacken treffen während des Open Airs Menschen aus aller Welt zusammen. Verschiedenste Kulturen prallen aufeinander, das Einzige was alle zu verbinden scheint ist die Musik und diese sorgt schlussendlich auch dafür, dass es keine Reibereien gibt. Wo man sonst bei einem Aufeinandertreffen derartiger Menschenmassen verschiedener Herkunft Konflikte erwartet, findet man in Wacken eine einzige Party vor - schon fast unheimlich.

Man muss allerdings nicht lange warten, bis Leute daher kommen, die erbost feststellen, dass die Metal-Bands allerlei unfreundliche Dinge besingen - Tod und Teufel sind keine Seltenheit. Vermutlich ist es aber auch gerade die Thematik der Musik, die es dem Publikum ermöglicht sich in aller Ruhe feiernd des Alltagsstresses zu entledigen. Gewalttätige Übergriffe in Wacken? Fehlanzeige!

Welche weiteren Aspekte "Full Metal Village" nun noch finden wird, kann hier sicher sehr spannend werden, denn Wacken ist definitiv ein großes Vorbild für - vielleicht sogar - den Rest der Welt. Auch wenn man wirtschaftlich gesehen für die Austragung eines Festivals keinen ungünstigeren Ort als Wacken hätte wählen können, liegt man doch, was die Mentalität der Dorfbewohner betrifft goldrichtig, denn diese feiern ihr Dorf während des Festivals eben so, wie die zahlreichen Besucher - die Welt feiert gemeinsam in einem kleinen Kuhkaff in Schleswig-Holstein. Utopie? Vielleicht.

Die Premiere der Dokumentation findet übrigens - wie sollte es anders sein - in Wacken statt. Fans können sich da schon mal den 18.4.2006 im Kalender ankreuzen. In diversen Kinos wird der Film dann ab dem 19.4. zu sehen sein. Viel Spaß!

- TIM