Metall macht Musik, Teil 49
von Tim Eckhorst


Metal-Rundumschlag im Spätsommer

Die Festivalsaison neigt sich dem Ende, aber genau darum gibt es ja CDs und Neuveröffentlichungen. Eben diese und einen Schwung Promo-Sampler und -Alben möchte ich hier mal genauer unter die Lupe nehmen.

Nur gerechtfertigt ist es, wenn ich an dieser Stelle mit Iced Earth und dem Anfang September ´07 erscheinenden Album "Framing Armageddon: Something Wicked Pt. 1" beginne. Der Song "Ten thousand Strong" ist ja bereits einige Zeit im Umlauf, da er bereits auf der "Overture of the Wicked"-EP im Juni erschien und dass sich der Song als ein Oberhammer entpuppte, dürfte auch kein Geheimnis mehr sein. Bei ihrem diesjährigen Wacken-Auftritt kündigte Sänger Tim Owens dann im Laufe der Show einen neuen, bisher noch nie live gespielten Song an. "Hm, spielt lieber was Bekanntes", dachte ich mir, weil ich's kenne, wenn ein neuer Song angekündigt wird: Die Menge steht stumm da und jubelt am Ende aus Höflichkeit, obwohl's doch noch gar nicht so richtig gezündet hat. Bei Iced Earth kam's allerdings anders. Bereits nach der ersten Wiederholung des Refrains des mit "A Charge to keep" betitelten neuen Stückes, stellte sich heraus, dass es sich hierbei um einen weiteren Hammer handelt. Langsam, schon fast balladen-artig konnte mich der Song sofort begeistern und das tut er nach wie vor auch in der Studioversion.

Höre ich mir dagegen Engel an, eine Band, die mit dem Album "Absolute Design" im Herbst ihr Debüt veröffentlicht und - wenn es nach der Plattenfirma SPV gehen würde - das nächste "große Ding" sein könnten, sieht's schon anders aus. Wenig Melodie, eher Härte, aber alles wenig spannend. Da hilft's auch nicht viel, dass Anders Fridén von In Flames produziert hat.

Von einer zukünftigen Größe kann man sicherlich eher sprechen, wenn man die Wörter Sturm und Drang in den Mund nimmt. Eine ziemlich klassisch angehauchte Metal-Band, deren Mitglieder noch in der Pubertät rumdüsen, aber trotzdem solche Musik machen, wie man sie von gestandenen Altrockern erwartet. Ziemlich erstaunlich. Erkannt hat man das Talent bereits an verschiedenen Orten. Oscar Dronjak lobt die Band und überlegt laut, wie sie sich wohl im Vorprogramm von HammerFall machen würden. K.K. Downing von Judas Priest zockt mit den Jungs "Breaking the Law" live in Schweden und in Wacken durften die Nachwuchsrocker bereits vor der Weltpresse spielen. Im Auge behalten ist hier angesagt.

Bewegt man sich nun mal kurz in eine etwas andere Richtung und damit ein wenig vom Metal weg, trifft man auch auf die wohlbekannten H-Blockx, die auch ein neues Album am Start haben, das immer wieder hochgelobt wird. Bestätigen konnte ich das nach dem ersten Hören der ersten Single nicht. Der Titel ist mir bereits wieder entfallen und der Song war auch eher von der langweiligen Sorte. Das mir nun vorliegende Stück "I don't want you to like me" klingt da schon besser, auch wenn man sich fragt, auf welchen Indie/Rock ´n` Roll-Zug die Herren um Henning Wehland da plötzlich aufgesprungen sind. Hat man sich anfangs in Crossover-Gefilden bewegt, glaube ich nun eher Einflüsse von Danko Jones und Konsorten hören zu können (was ja keine schlechte Referenz ist). Kein Überhammer, aber schön zu hören und immerhin besser, als der Output der letzten Jahre.

Aber zurück zum Metal, wo mit Ride the Sky eine weitere neue Band am Start ist. "Ride the Sky, Ride the Sky?", heißt so nicht ein Song von Helloween, überlegt jetzt vielleicht der geschulte Metal-Fan. Ja, so ist es und - oh, Wunder - es ist die neue Band von Uli Kusch, ex-Helloween- und ex-Masterplan-Mitglied. Dass die neue Band wenig mit Helloween und eher einiges mit Masterplan gemeinsam hat, wird schon beim ersten Hören ziemlich deutlich. Bei "New Protection" gibt es schöne Melodien mit leicht progressivem- und symphonischen-Einschlag. Auch AOR-Freunde dürften auf ihre Kosten kommen. Vergleiche mit Masterplan wird sich Herr Kusch aber sicherlich noch eine ganze Weile gefallen lassen müssen.

Am Start sind auch Annihilator. Das schlicht mit "Metal" betitelte Album, hält was es verspricht. Ob's an den 100.000 hochkarätigen Gastmusikern liegt, dass das Album so sehr rockt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber neue Impulse gibt es sicherlich durch Leute, wie Danko Jones.

Am Ende nun noch ein Re-Release-Tipp: "Frozen" von Sentenced wurde mit vier Bonustracks, die 1998 bereits auf der limitierten (und heute ziemlich raren) Version des Originals enthalten waren, wieder veröffentlicht. Ein Muss, sofern man die limitierte Erstauflage nicht hat.

Rock on!

- TIM